Aderlass

Der Aderlass ist eine therapeutische Blutentnahme aus der Vene. Ziel ist es, die Fließfähigkeit des Blutes  zu verbessern und so sogenannte Fülle – Zustände nach Traditioneller Europäischer Medizin zu beseitigen. In der Humoralmedizin wird er als “Kardinalmittel” bezeichnet und bei allen Arten von Stauungen (auch als Kongestion bezeichnet) eingesetzt. Gleichzeitig entsteht ein Sog in die extrazelluläre Matrix und es strömt eiweißarme Flüssigkeit ins Gefäßsystem, um den Volumenverlust auszugleichen. Durch diese Drainagewirkung in der Matrix kommt es zu einer stoffwechselentlastenden und durch Ausschwemmen von Entzündungsmediatoren zu juckreizmindernden und antientzündlichen Wirkungen. Gleichzeitig wird die Vor- und Nachlast des Herzens wird vermindert.


Durchführung

Es wird meist eine großlumige Armvene punktiert und individuell 250-500 ml Venenblut entnommen. Nach Hildegard von Bingen erfolgt der Aderlass nur bis zum “Umschwung”, also dem Zeitpunkt, zu dem das tiefdunkle Venenblut heller wird. Wir verwenden zur sicheren hygienischen Handhabung sterile Vakuumflaschen. Aderlässe sollten  2 – 4 mal pro Jahr, bei schweren Krankheitsbildern auch häufiger durchgeführt werden, sofern das möglich ist.  In einer Innsbrucker Studie konnte nachgewiesen werden, dass ein Aderlass von 250 ml Blut regelmäßig zweimal jährlich durchgeführt aus präventiver Sicht zur Senkung des Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risikos beiträgt.


Indikationen

Folgende Indikationen sind mit guter Evidenz belegt:

Hämatokritwerte Männer: > 42%, Frauen: > 40% je nach klinischem Bild  (häufig bei Rauchern)

metabolisches Syndrom: Adipositas, Übergewicht, Hyperlipidämie, Hyperurikämie

arterielle Hypertonie

Herzinsuffizienz

Thromboseneigung

Asthma bronchiale beim Fülletyp

Schwindel, akuter Hörsturz, Kopfdruck ohne organischen Befund

akute Entzündungen (v.a. Arthritis)

klimakterisches Syndrom mit Hitzewallungen

chronischer Juckreiz


Kontraindikationen

asthenische Konstitution, Schwäche, Frierneigung, Exsikkose, arterielle Hypotonie, Erschöpfungszustände, Diarrhoe, usw.

Als relative Kontraindikation ist das Lebensalter anzusehen. Allgemein gilt ein Aderlass bei über 70-Jährigen als kontraindiziert, was sich bei guter Konstitution und je nach klinischem Bild aber relativieren kann. Bei älteren Menschen nehmen wir aber geringere Blutmenge (125-150 ml) ab und ersetzen diese meist durch Infusion isotoner Kochsalzlösung in gleicher Menge.