Blutegel-Therapie

Therapie mit Blutegeln zählt mit mehr als 2000 Jahren Tradition zu den ältesten Therapieformen und erlebt derzeit – basierend auf vielen klinischen Studien – frischen Aufwind als begleitende Therapie in Chirurgie, der Behandlung symptomatischer Arthrosen, von Schmerzsyndromen aber auch vielen anderen Erkrankungen. Hirudo medicinalis ist ein ektoparasitärer, blutsaugender Ringelwurm, der im Süßwasser lebt.

In der Blutegeltherapie kombinieren sich mehrere Effekte, die den günstigen Heilungsverlauf ausmachen:

Aderlass-Effekt

● lokale Wirkung durch verbesserte Gewebedurchblutung

● reflektorische Wirkungen

● pharmakologische Effekte durch Stoffe im Blutegelspeichel

Der bekannteste Inhaltsstoff ist Hiruduin, ein stark wirksamer Gerinnungshemmstoff, der auch antientzündliche und schmerzmindernde Wirkungen hat. Im Blutegelspeichel befinden sich aber eine Vielzahl weiterer pharmakologisch wirksamer Substanzen, die den Therapieerfolg in seiner Gesamtheit ganz wesentlich mit beeinflussen. Sie gelangen als Stoffgemisch beim leicht schmerzhaften Blutegelbiss in das Gewebe. Durch die ebenfalls im Blutegelspeichel nachweisbare Hyaluronidase können alle Substanzen tief in das Gewebe vordringen. In ihrer Gesamtheit wirkt die Blutegeltherapie entstauend, krampflösend, schmerzlindernd ab- und ausleitend und blutreinigend.


Durchführung:

Die Behandlung erfolgt im Liegen. Die betreffende Stelle sollte frei von Seifen, Cremes, Parfums und anderen Duftstoffen sein, wenn der Blutegel angesetzt wird. Hat der Blutegel an der gewünschten Stelle gebissen, lässt man ihn ungestört, bis er – wenn er sich “satt gesaugt” hat und von selbst abfällt. Das dauert in der Regel 30-60 Minuten. Die Bissstelle kann dann 2 bis zu 20 Stunden nachbluten, wobei noch bis zu 40 ml Blut austreten können. Deshalb wird die Wunde mit einem sterilen saugfähigen Material verbunden.

Wiederholungen der Therapie sind nach Tagen bis Wochen möglich. Tritt ein Therapieerfolg nach 2 Behandlungsversuchen nicht ein, ist eine Besserung in weiteren Anwendungen auch nicht mehr zu erwarten. Bei erfolgreicher Therapie ist eine Wiederholung meist dann angezeigt, wenn nachlassende Wirkung der Behandlung bemerkt wird.


Indikationen:

rheumatische Erkrankungen

Arthrosen (Gonarthrose, Rhizarthrose, Schulter, bei schlanken Patienten Hüfte)

Baker-Zysten

symptomatische degenerative Gelenkveränderungen

Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule

Schmerzen im Bereich der Ileosakralgelenke

einige Schmerzsyndrome

Fibromyalgiesyndrom an stark betonten lokalen Schmerzstellen

Tendovaginitis, Tendovaginose

schmerzhafte Krampfadern

großflächige Hämatome

Abszesse

Mit noch nicht gänzlich abgesicherter Datenlage wird die Therapieform auch bei Tinnitus und Hörsturz, sowie bei Mittelohrentzündungen eingesetzt.


Kontraindikationen:

Hämophilie und medikamentöse Antikoagulatientherapie

relativ bei Einnahme von Thrombozyten-Aggregationshemmern, Anämie

gastrointestinale Erkrankungen mit Blutungsrisiko

Infekte im akuten Stadium

Immunsuppression

schwere Organerkrankungen

ausgeprägte Allergie

Schwangerschaft

periphere arteriell Verschlusskrankheit Stadium III-IV


unerwünschte Wirkungen:

Als Nebenwirkung treten ein meist erträglich empfundener lokaler Schmerz beim Biss des Egels während der ersten Minuten auf. Lokaler Juckreiz an der Bißstelle am 2. bis 3. Tag über 3-5 Tage anhaltend ist möglich und kann, falls nötig lokal behandelt werden. Kreislaufbeschwerden, lokale und systemische Allergien, Wundheilungsstörungen und narbige Abheilung sind selten, aber möglich.