Methadon ?

zum Thema Methadon in der Onkologie

Die Forschungsarbeiten der Molekularbiologin Dr. Claudia Friesen am Institut für Rechtsmedizin in Ulm haben eine Welle von Berichterstattung in allen Medien ausgelößt. Leider sind die meisten Berichte über die Arbeiten von Frau Dr. Friesen, die eine wachstumshemmende Wirkung des vollsynthetischen Opioids auf Krebszellen in vitro der wissenschaftlichen Fachwelt zur Diskussion stellt, sehr oberflächlich. Es werden falsche Hoffnungen geweckt und der Eindruck vermittelt, es sei das Allheilmittel gegen Krebserkrankungen gefunden.

Was sind die facts ?

Kein Forschungsinteresse

Frau Dr. Friesen hat die beachtenswerte Entdeckung gemacht, dass Methadon auf Krebszellen in vitro (also im Laborversuch an Zellkulturen) eine wachstumshemmende Wirkung haben kann. Diese Entdeckung ist so bedeutend, dass sie weitere Forschungsprogramme weltweit initiieren sollte. Doch das passiert gar nicht, denn mit Methadon (Behandlungskosten zwischen 10-20 Euro/Monat) lässt sich im Vergleich zu modernen Arzneimitteln in der Onkologie mit Jahrestherapiekosten zwischen 150.000 und 300.000 Euro pro Patient kein Geld verdienen.

Erfahrungen am Patienten

Meine Erfahrungen mit Methadon bei Krebs stützen sich auf die Behandlung von Patienten, die als schulmedizinisch „austherapiert“ galten. Hier konnte Methadon in vielerlei Hinsicht, insbesondere in Bezug auf ihre Lebensqualität oder einfach als Schmerztherapeutikum helfen. Im Forum komplementäre Onkologie (Ausgabe 4/2017) berichtet György Irmey, ärztlicher Direktor der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr GfBK über ähnliche Erfahrungen und verweist auf das Vorliegen „zahlreicher gut dokumentierter Genesungsverläufe, die die Effekte von Methadon bei Krebserkrankten in weit fortgeschrittenem Stadium belegen“.

bekanntes Spektrum an Nebenwirkungen

Seit nun 70 Jahren wird Methadon erfolgreich in der Schmerz- und Drogentherapie eingesetzt. Neben- und Wechselwirkungen der Substanz sind also in langjähriger Erfahrung gut bekannt. Krebspatienten bekommen nur einen Bruchteil der Dosen, die bei Substitutionstherapie eingesetzt werden.

falsche Hoffnungen werden geweckt

In der Presse wird auch bei Patienten der Eindruck erweckt, es handele sich bei Methadon um ein neues „Allheilmittel“ oder gar eine neue „Basistherapie“ für alle Krebspatienten. Das aber ist nicht der Fall. Die vorliegenden Daten sollten zu neuen Forschungsarbeiten inspirieren und auch – in Anbetracht überschaubarer Nebenwirkungen – zu häufigerem Einsatz insbesondere bei schulmedizinisch „austherapierten“ Patienten, ermutigen.

Fazit

Die Hoffnungen auf breiten Einsatz sind unbegründet, die aktuelle Studienlage ist hierfür unzureichend. Der Einsatz von Methadon bei Krebserkrankten wird vorerst weiter auf die Patientengruppe begrenzt bleiben, die als „schulmedizinisch austherapiert“ gilt und in eine Therapie einwilligt, die sich außerhalb schulmedizinischer Leitlinien-Medizin bewegt. Dr. Friesen ist überzeugt davon, dass Methadon „praktisch allen Krebspatienten helfen könnte“ und hat als neues Ziel definiert, mit Ärzten und Kliniken, die der Therapieform offen gegenüberstehen, eng zu kooperieren, um klinische Studien voranzutreiben, damit Methadon evtl. als Tumortherapeutikum zugelassen werden kann.