StartseiteMitochondriopathie

Mitochondriopathie

Man unterscheidet primäre (angeborene, ererbte) und sekundäre (erworbene) Mitochondriopathien:

Primäre Mitochondriopathien beruhen auf Genmutationen, die verschiedene Stoffwechselwege des Mitochondriums betreffen. Diese Gendefekte können sowohl die auf der ringförmigen mitochondrialen DNA (mtDNA) als mitochondrial kodierte Mitochondriopathie oder als nukleär kodierte Mitochondriopathie auf einem Gendefekt eines der im Zellkern kodierten Proteine, die in die Mitochondrien importiert werden, beruhen. Beide Gendefekte liegen bereits bei der Geburt vor deshalb manifestieren sich Symptome der ererbten Mitochondriopathien bereits in der Kindheit und Jugend. Diese Symptome betreffen überwiegend das besonders von Energie abhängige Nerven- und Muskelsystem.

Ist ausschliesslich mtDNA vom Gendefekt betroffen, wird die Erkrankung ausschliesslich mütterlich (maternal) vererbt, da sich Mitochondrien im väterlichen Spermium in dessen Schwanzteil befinden, das bei der Befruchtung der Eizelle ausserhalb der Eizelle verbleibt. Nukleär kodierte Mitochondriopathien dagegen, deren Ursache eine Mutation der DNA des Zellkerns ist, können je nach chromosomaler Lage und Art der Mutation sowohl autosomal dominant, autosomal rezessiv als auch X-chromosomal vererbt werden.

Eine Eizelle enthält hunderte von Mitochondrien, die im Verlauf der Embryonalentwicklung ungleichmäßig auf alle Gewebe des Embryos verteilt werden. Dabei kann der Anteil mutierter Mitochondrien im kindlichen Organismus stark variieren (Heteroplasmie). Entscheidend ist das Verhältnis von mutierter zu nicht mutierter DNA in den einzelnen Tochterzellen, das über den Schweregrad des Krankheitsverlaufes entscheidet.

Die sekundäre Mitochondriopathie ist eine erst im Verlauf des Lebens erworbene Störung der Mitochondrienfunktion und spielt eine Rolle bei der Entstehung und Entwicklung verschiedener Erkrankungen, die sich langsam und zunehmend im Erwachsenenalter manifestieren. Pathogenetisch geht man von einer Schädigung mitochondrialer DNA durch freie Radikale u.a. auch bedingt durch Umwelteinflüsse oder als Folge von Erkrankungen aus. Die Reparaturmechanismen für das freiliegend ringförmige mtDNA-Molekül aber sind beschränkt: Defekte Abschnitte können lediglich durch ein Enzym herausgeschnitten werden. Dabei vermindert sich zunehmend Geninformation für wichtige Proteine der Atmungskette, des Citratzyklus und der Fettsäureoxidation in der Funktion der Mitochondrien, wodurch sich die Energieversorgung mit Adenosintriphosphat (ATP) der Zellen und Organe verschlechtert und alle energieabhängigen Reaktionen innerhalb des Stoffwechsels der Zelle gebremst werden.

Eine wesentliche Beteiligung mitochondrialer Schädigung kann bei einigen Erkrankungen als gesichert angesehen werden:

● neurodegenerative Erkrankungen (M. Alzheimer, M. Parkinson, ALS)

● Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, Adipositas)

● Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Arteriosklerose, Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen)

Krebs

Darüber hinaus mit handfesten Fakten belegt bei Formen von:

ADHS, AIDS, Alzheimer-Demenz, Angst- und Panikattacken, Asthma bronchiale, Chronisches Fatigue Syndrom, Depressionen, Endometriose, Epilepsien, Fibromyalgie, Glutenintoleranz, Glaukom, Makuladegeneration, Mastozytose, metabolisches Syndrom, Migräne-Syndrom, Multiple Chemikalien Sensitivität, Multiple Sklerose, Neurodermitis, Parkinson-Syndrom, Polyarthralgien und -arthrose, Polyneuropathien, Porphyrie, Posttraumatische Belastungsstörung, Psoriasis, Refluxösophagitis, Reizblase, Reizdarmsyndrom, Schilddrüsenerkrankungen, Tinnitus.

Einteilung

Eine Einteilung dieser sehr vielfältigen Gruppe von Krankheiten kann unter verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen. Einerseits kann man den zugrundeliegenden Stoffwechseldefekt, andererseits das klinische Symptomenbild zur Kategorisierung heranziehen. Im Falle primärer Mitochondriopathien finden sich zudem eine Reihe beschriebener Syndrome in der Literatur.

 

Auslöser oder Verstärker

Als Auslöser oder Triggerfaktoren gelten: virale, bakterielle und parasitäre Infektionen einschl. Impfung, physische Traumata im Bereich Kopf und Halswirbelsäule, Instabilitäten der HWS, schwere psychische Traumata, Belastung mit diversen Umweltgiften und Chemikalien, Schwermetallvergiftungen, starke geistige und körperliche Belastung, Psychostress, Fehlernährung mit v.a. nitratreichen Nahrungsmitteln, Fehlernährung mit zuckerreichen oder unverträglichen Nahrungsmitteln, Medikamente, Mangel an Mikronährstoffen und Cofaktoren.

 

Symptome

Mitochondriopathien führen zu einem sehr vielfältigen Muster von Symptomen. Als Gemeinsamkeit lässt sich herausarbeiten, dass stark energieabhängige Organe besonders betroffen sind. So finden sich bei fast allen Erkrankungen neuromuskuläre Symptome, also Störungen, die das Nervensystem und die Muskulatur betreffen. Auch Symptome am Herzmuskel, den Nieren und anderer Organsysteme sind bekannt.

In jedem Falle ist eine gründliche Anamnese sowohl zur Diagnose, als auch Differenzierung erforderlich. Häufig finden sich schon im Kindesalter Anhaltspunkte. Darüber hinaus die gründliche Untersuchung der Halswirbelsäule: PD Dr. Bodo Kuklinski fand in 70% der von ihm 1900 untersuchten und publizierten Fälle sekundärer Mitochondriopathien eine Instabilität der HWS.

Verlauf

Auch der Verlauf ist durchaus sehr variabel, was sich dadurch erklärt, dass längst nicht alle Mitochondrien den Gendefekt tragen müssen und das Verhältnis zwischen mutierten und unveränderten Mitochondrien einen wichtigen Einfluss auf Krankheitsschwere und -verlauf hat.

Diagnostik

Leitbefund der Mitochondriopathien ist die Laktatazidose, eine Überladung des Blutserums mit Milchsäure, die sich durch einen Aufstau des Pyruvat vor dem Citratzyklus erklären lässt. Dies führt über einen alternativen Abbauweg zu Laktat (Lactat-Pyruvat-Ratio). Zur weiteren Stoffwechseldiagnostik gehört außerdem die Bestimmung der organischen Säuren im Urin, der Aminosäuren im Serum sowie Parameter erhöhten nitrosativen Stresses. Ein weiterer Hinweis findet sich in der Bestimmung der Aktivität von Isoenzymen des Enzyms Laktatdehydrogenase.

Mit Hilfe neuerer Diagnostik kann durch die Bestimmung des Membranpotentials von Mitochondrien auf deren intakte Aktivität geschlossen oder der ATP-Gehalt in den weißen Blutzellen gemessen werden.

Darüber hinaus können zur Einleitung geeigneter therapeutischer Maßnahmen (aber auch zur Beweisführung gegenüber den Kostenträgern) die Bestimmung von weiteren Stoffwechselparametern, Cofaktoren, Mikronährstoffen, immunologischer, hormoneller und umweltanalytischer Parameter erforderlich sein, bei Verdacht auf HWS-Instabilitäten zudem röntgenologische Untersuchungen.