Präventionsmedizin

Naturheilkunde und komplementäre Heilverfahren sind in weiten Teilen stark präventiv orientiert. Das ergibt sich sicher auch aus den beschränkten Behandlungsmöglichkeiten früherer Zeiten. Es ergibt sich aber auch aus der Erkenntnis dieser Medizinsysteme, dass wirksame Medizin auf vielen Ebenen, einschliesslich der des persönlichen Lebensstils ansetzen muss. In unserer Zeit dominiert eher ein unkritischer Fortschrittsglaube, der sich ab dem 19. Jh. in der universitären Hochschulmedizin breit gemacht hat. Insbesondere aber bei chronischen Erkrankungen und den „Zivilisationserkrankungen“ offenbaren sich die Grenzen einer solchen Einstellung und machen Naturheilkunde und komplementäre Heilverfahren wieder aktuell. Viele Disziplinen der sich neu gründenden Gesundheitswissenschaften, des „Health-Bereiches“ greifen die Erfahrungsschätze und Erkenntnisse der „alten Medizin“ wieder auf und bereichern Sie umgekehrt durch neue Erkenntnisse.

Prävention

Sinn von Prävention ist es, Auslösefaktoren von Krankheiten zurückzudrängen oder auszuschalten. Deshalb kann Prävention nicht nur als alleinige Aufgabe von Medizin verstanden werden, sondern muss interdisziplinär erfolgen v.a. unter Mitwirkung von Psychologie, Soziologie, Pädagogik und Politik. Präventive Maßnahmen sind langfristig angelegt und zielen auf langfristige Veränderungen der persönlichen Einstellung, des Erlebens und des Verhaltens. Präventionsmaßnahmen begründen sich sowohl ethisch als auch ökonomisch: Individuell soll Leid so weit wie möglich verhindert und die Lebensqualität verbessert werden. Gleichzeitig soll Prävention die individuellen und gesamtgesellschaftlichen ökonomischen Lasten für dann unnötig gewordene Krankenbehandlungen verringern. Krankheitsprävention soll vor dem Auftreten einer Erkrankung einsetzen und unterscheidet sich dadurch von Therapie.

Man unterschiedet 4 Arten der Prävention:

Primärprävention setzt vor Eintreten der Krankheit ein und zielt darauf ab, eine Erkrankung von vornherein zu verhindern. Die Primärprävention richtet sich an Risikogruppen, Gesunde und Personen ohne Krankheitssymptome: Zur Primärprävention gehören z.B. gesunde Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung sowie Suchtprävention.

Sekundärprävention setzt in Frühstadien von Krankheiten an. Es geht um Früherkennung von Krankheiten, Eindämmung ihres Fortschreitens oder ihrer Chronifizierung. Das ist jenes Stadium ohne wahrnehmbare oder rein funktionelle Symptomatik, aber der Krankheitsprozess hat bereits seinen Anfang genommen. Zielgruppe sind Personen, die als zwar Symptomlose an einer Präventionsmaßnahme teilnehmen, durch diagnostische Maßnahmen aber zu Patienten werden könnten. Beispiele sind „Screenings“ z.B. im Bereich Brust- oder Darmkrebs.

Tertiärprävention findet nach einer Akutbehandlung oder Manifestation einer Erkrankung statt. Mit ihr sollen Folgeschäden und Rückfälle verhindert werden. Sie richtet sich v.a. an Patienten mit chronischen Krankheiten. Ein Beispiel ist hier die Verhinderung von z.B. Nieren-, Augen-, Gefäß- und Nervenschäden infolge einer Diabetes-Erkrankung.

Quartärprävention ist die Verhinderung von unnötiger und übermässiger Medizin und von Übermedikation. Beispiel wäre z.B. der Schutz älterer Menschen vor Multimedikation.


Verhaltens- und Verhältnisprävention

Verhältnisprävention strebt eine Veränderung der Lebensbedingungen an, um den Gesundheitszustand der Zielpersonen zu verbessern, während Verhaltensprävention nicht Umweltbedingungen, sondern durch direkte Einflussnahme auf das individuelle Gesundheitsverhalten eine Verbesserung des Gesundheitszustandes erreichen will.