Ausleitungsverfahren

Ausleitende Therapieverfahren dienen der Entgiftung des Körpers, seiner Reinigung von Stoffwechselendprodukten, von “Schlacken“ und „Toxinen“. Der Begriff bezeichnet eine heterogene Ansammlung von Therapieverfahren aus verschiedenen Medizinsystemen und Medizinkulturen aus unterschiedlichen medizinhistorischen Epochen mit unterschiedlichen Denkmodellen, die sich bis in die Anfänge der Menschheit zurückverfolgen lassen. Am einfachsten nähert man sich den unterschiedlichen Verfahren, wenn man sie nach einem der vier Ausleitungswege klassifiziert:


1. Ausleitung über die Haut

Die Haut ist ein wichtiges Regulationsorgan für den Flüssigkeitshaushalt und die Körpertemperatur. Über Schweiß und andere Drüsensekrete fungiert sie als wichtiges Ausscheidungsorgan.

Beim Aderlass wird dem Patienten Blut aus der Vene abgenommen. Aus historischer Sicht hat dies eine „antidyskratische Wirkung“, d.h. es werden Verteilungsstörungen der Körpersäfte beseitigt, aus heutiger Sicht wirkt er entstauend, blutverdünnend und durchblutungsfördernd. Die Menge variiert je nach Art des Aderlasses (auch hier gibt es historische und kulturelle Unterschiede), in Abhängigkeit des Krankheitsbildes sowie Konstitution, Disposition und Diathese des Patienten.

Beim Baunscheidt-Verfahren werden mit Hilfe des „Stichelgeräts“ oberflächliche Hautöffnungen gestochen und ein hautreizendes Öl aufgebracht, das für durchblutungsfördernde, Lymphfluß-anregende und immunstärkende Wirkung sorgen soll.

Blutegel-Therapie

Hydro-Therapie gehört zu den Naturheilverfahren und umfasst eine Vielzahl von Anwendungen wie Bäder, Güsse, Packungen, etc. Die positiven gesundheitlichen Wirkungen sind neben der Ausleitung über die Haut vielfältig.

Schröpfen

schweißtreibende Maßnahmen durch z.B. ansteigende Wärmebäder, evtl. mit pflanzlichen Zusätzen, heiße Tees insbesondere mit erwärmenden Pflanzen wie Ingwer Lindenblüten und Zimt. Im Normalfall produziert die Haut etwa 0,5-1 Liter Schweiß pro Tag, was sich aber in Abhängigkeit der körperlichen Leistung bis auf mehrere Liter steigern lässt.


2. Ableitung über den Verdauungstrakt

Es gibt aus allen Medizinsystemen eine Vielzahl naturheilkundlicher Arzneien, die die Ausscheidung über den Darm fördern und abführend oder emetisch wirken, die Entgiftungsfunktion der Leber stärken oder die Gallentätigkeit anregen. Wichtige Mittel dazu finden sich in der westlichen Phytotherapie, allen ostasiatischen Medizinsystemen, der Homöopathie, Spagyrik und Homotoxikologie, u.v.m. und können auch als Infusionen verabreicht werden

Darmspülungen und Einläufe evtl. mit Zusätzen auch in der technischen Weiterentwicklung in Form von Colon-Hydro-Therapie

mikrobiologische Therapie

verschiedene Konzepte der Ernährungstherapie, Diäthetik und Fastentherapie wie Buchinger Heilfasten, F.X. Mayr-Kur, Schroth-Kur und andere Formen des Fastens.

Leberwickel fördern die Durchblutung der Leber, dem wichtigsten Entgiftungsorgan des Körpers, und werden unterstützend im Rahmen einer mikrobiologischen Therapie oder bei Fasten- und Entschlackungskuren angewendet. Sie helfen u. a. bei Verdauungsstörungen, Unruhe, Verstimmungen und wirken allgemein entspannend.


3. Ausleitung über die Niere

Auch hier gibt eine Vielzahl naturheilkundlicher Arzneien und Therapieformen aus allen Medizinsystemen, die die Ausscheidung von gesundheitsschädigenden Stoffen über die Nieren fördern. Die Nieren sind von zentraler Bedeutung für die Entgiftung des Körpers mit wasserlößlichen „harnpflichtigen Substanzen“, Medikamenten, Umweltgiften und halten den Wasserhaushalt im Körper konstant. Als Ausscheidungsorgan wirken sie maßgeblich an der Regulation des Säure-Basen-Haushalts im Körper mit.

Die Entsäuerungs-Therapie ist eine Kombination aus Medikation mit basischen Mineralien, ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Ernährung mit basenbildenden Lebensmitteln und Bewegungstherapie.


4. Ausleitung über das Lymphsystem

Die Lymphe hat viele wichtige Aufgaben u. a. bei der Immunabwehr und sorgt für den Abtransport von Stoffwechselendprodukten, Krankheitserregern, Fremdkörpern etc. und ist deshalb in der Naturheilkunde ein wichtiges „Ausleitungsorgan“. Lymphe wird durch Muskelbewegung, Atemtätigkeit und andere Bewegungen befördert. Körperliches Training, Atemübungen, Wechselduschen u.a. physikalische Maßnahmen fördern den Lymphstrom. Zu den physikalischen Maßnahmen gehört auch die Lymphdrainage, einer speziellen Massagetechnik, die den Lymphfluss anregt.

Das Cantharidenpflaster ist ein mit einer speziellen Paste aus Cantharis bestrichenes Pflaster, das eine lokale, künstliche Verbrennung zweiten Grades erzeugt. Es bilden sich Quaddeln und Blasen an die Hautoberfläche, die steril geöffnet, abgesaugt und verbunden werden.

Auch hier gibt es eine Vielzahl naturheilkundlicher Arzneien aus allen Medizinsystemen, die die Ausscheidung über das Lymphsystem fördern.


Die Vorstellung, schädliche Stoffe aus dem Körper ausleiten und damit Krankheiten heilen zu können, kann medizinhistorisch bis in die Anfänge der Menschheit zurückverfolgt werden: Schröpfen und Aderlässe werden bereits in der ägyptischen Pharaonenzeit beschrieben. In der mittelalterlichen Literatur der TEM schreibt Paracelsus (1493-1541): „Wo die Natur einen Schmerz erzeugt, dort will sie schädliche Stoffe ausleeren. Und wo sie dies nicht selbst fertig bringt, dort mach‘ ein Loch in die Haut und lasse die schädlichen Stoffe heraus“.

In der Neuzeit untersucht der Wiener Arzt Bernhard Aschner (1889-1960) verschiedene Therapiemethoden der Aus- und Ableitung, die seitdem auch als Aschnerverfahren bekannt sind und unterscheidet ausleitende Verfahren (externe Aschnerverfahren), die „durch Schaffung einer künstlichen Öffnung dem Körper helfen, schädliche Stoffe nach außen auszuleiten“ von ableitenden Verfahren (innere Aschnerverfahren), die „ falsch verteilte oder gestaute Körpersäfte umverteilen und wieder in Fluss bringen“.


Ziel ausleitender Therapie ist allgemein die:

  • Entlastung des Stoffwechsels

  • Förderung von Ausscheidungs- und Entgiftungsprozessen

  • positive Beeinflussung von Schmerzzuständen

  • positive Beeinflussung psychischer Belastungen

  • Reinigung von Blut, Lymphe, extrazellulärer Matrix und umgebenden Geweben

  • Stärkung bzw. Harmonisierung des Immunsystems


Vorraussetzungen, Kontraindikationen, Nebenwirkungen und Risiken

So vielfältig die Verfahren zur Ab- und Ausleitung, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten ihrer Anwendung und mögliche Gegenanzeigen. Sie ergeben sich aus der Wahl des Verfahrens und hängen von den individuellen Gegebenheiten wie Vorerkrankungen, Konstitution, Disposition und Diathese, Medikamenteneinnahme, u.v.m. des Patienten und seiner momentanen Lebenssituation ab. Deshalb ist vor der Anwendung ausleitender Therapieverfahren eine gründliche Anamnese und sorgfältige Diagnostik erforderlich um zu ermitteln, ob und über welchen der vier Ausleitungswege eine Ab- oder Ausleitung wirkungsvoll erfolgen kann.