Eigenblut-Therapie

Blut übernimmt viele Aufgaben für den Organismus: Den Transport von Sauerstoff und Nährstoffen in sowie Abtransport von Stoffwechselendprodukten aus der extrazellulären Matrix. Es spiegelt so das innere Milieu und spielt eine zentrale Rolle im Immunsystem. Unter Eigenbluttherapie wird die Anwendung von patienteneigenem Blut zu Heilzwecken verstanden. Historisch geht das Verfahren auf den Chirurgen August Bier zurück, der es um 1905 einsetzte, um Frakturheilungen zu beschleunigen. Im Zeitraum zwischen 1900 bis 1945 wendeten es zahlreiche Ärzte in Kliniken, Praxen und Universitäten an. Ihren Höhepunkt fand die Therapie zwischen den beiden Weltkriegen. Mit Einführung der Antibiotikatherapie und der Möglichkeit, bakterielle Infektionen chemotherapeutisch zu behandeln verlor die Therapieform in der Hochschulmedizin mehr und mehr an Bedeutung.

Eigenbluttherapie ist eine unspezifische Reiztherapie, gehört deshalb zu den sogenannten Umstimmungsverfahren und zu den autologen Therapieverfahren. Dabei wird eine definierte Menge Blut aus einer Vene entnommen und direkt oder aufbereitet wieder in den Muskel oder unter die Haut zurück gespritzt. Wirkprinzip dabei ist, dass venöses Blut mit allen stofflichen und informativen Inhalten aus der Blutbahn nun in eine andere Umgebung, die Muskulatur oder die Haut platziert wird. Das veranlasst den Körper, auf diesen unspezifischen Reiz ähnlich wie auf einen Fremdkörper mit der Einleitung verschiedener immunologischer Reaktionen wie bei einer Abwehr zu reagieren. Deshalb kann an Einspritzstelle eine kleine Entzündungsreaktion entstehen. Durch diese „Immunisierung“ wird das Abwehrsystem insgesamt gestärkt und aktiviert. Zusätzlich werden auch Selbstheilungskräfte aktiviert.


Indikationen:

akute Infekte und Phasen verzögerter Genesung nach einem Infekt

chronische, immer wieder rezidivierende Entzündungen v.a. im HNO-Bereich

Immunstimulation bei allgemeiner Abwehrschwäche

präventiv zur Vorbeugung von Krankheiten bzw. zur Immunstärkung

Erschöpfung und chronisches Müdigkeitssyndrom

einige Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis, Ekzeme, Mykosen, u.a.

alle Formen der Allergie

zur Schmerzmodulation

chronische Gelenkerkrankungen, rheumatische Beschwerden

Durchblutungsstörungen


Kontraindikationen:

Bei immunsupressiver Therapie, Blutgerinnungsstörungen und akuten Blutungen darf eine Eigenbluttherapie nicht durchgeführt werden.


Durchführung:

Es wird zunächst eine geringe Menge (0,5-1,0 ml) Venenblut entnommen und dann reinjeziert, in den Folgetherapien kann die Menge gesteigert bis auf max. 5ml.

subkutan – Umspritzen von Schmerzorten, Ulcera, Ekzemen, Furunkeln usw.

als Quaddelung

intramuskulär (0,5 – 5,0 ml ansteigend)

Die Wiederholung der Therapie soll dabei nach der Arndt-Schulz-Regel erfolgen:

bei akuten Erkrankungen täglich für ca. 3-5 Tage

bei subakuten Erkrankungen alle 2-3 Tage je nach Abwehrlage 5-10 mal

bei chronischen Erkrankungen im Wochenrhythmus mindestens 10 Injektionen


Modifikationen:

Eigenbluttherapie kann gut modifiziert werden durch Zugabe homöopathischer Mittel je nach Krankheits- und Beschwerdebild

Gegensensibilisierung nach Theurer

Auto-Sanguis-Stufentherapie nach Reckeweg

defibriniert, also ohne aktives Fibrin im Plasmaanteil

elektrolytisch behandelt

hämolysiertes Eigenblut durch Zusetzung von sterilem destillierten Wasser

Eine besondere Form ist die Herstellung von potenziertem Eigenblut nach Imhäuser als Eigenblutnosode: Dabei wird aus einem Tropfen Blut nach homöopathischer Regel der Potenzierung durch Verschütteln und Verdünnen ein flüssiges Arzneimittel hergestellt, das dann oral über längere Zeiträume eingenommen wird. Diese Methode ist ideal geeignet für Kinder, da eine Injektionentfällt und Kinder auf homöopathische Reize noch sehr gut reagieren.


Apparative und systemische Eigenbluttherapieverfahren:

Dabei wird das Blut mit UV-Licht bestrahlt und/oder mit Ozon-Sauerstoff versetzt. Die Wirkweise dieser Verfahren beruht vermutlich auf der Denaturierung von Eiweißen im Blutplasma und der Entstehung von freien Radikalen im Blut, die ihrerseits weitere Wirkungen induzieren.

1. Bestrahlung des Eigenblutes mit UV-Licht

als kleine UVE-Behandlung: dabei erfolgt die Rückinjektion des bestrahlten Blutes in den Muskel oder unter die Haut

als große UVB-Behandlung: dabei erfolgt eine Rückinfusion des bestrahlten Blutes in die Vene zurück

2. HOT nach Wehrli

Die hämatogene Oxidationtherapie HOT nach Wehrli ist eine Mischform zwischen UV-Bestrahlung des Blutes und Sauerstofftherapie. Dabei wird die Oberfäche des entnommenen Blutes durch Einblasen reinen Sauerstoffes durch Blasenbildung vergrößert. Die Blutblasen werden dann mit UV-Licht bestrahlt. Danach erfolgt die Rückinfusion des so behandelten Blutes in die Vene.

3. Behandlung des Eigenblutes mit Ozon

als kleine Ozon-Eigenbluttherapie mit Rückinjektion in den Muskel nach Behandlung des Blutes mit Ozon

als große Ozon-Eigenbluttherapie mit intravenöser Rückinfusion nach Ozonbehandlung des Blutes