Homotoxikologie

Ähnlich wie in der Homöopathie beruht diese Therapie auf der Stimulation des Organismus durch Arzneireizungen. Diese Reizungen rufen im Körper Reaktionen hervor, welche im Organismus eingelagerte „Toxine“ mobilisieren und wieder ausleiten sollen. Unter dem Begriff Toxine werden alle für den Menschen schädliche Stoffe zusammengefasst. Neben Schwermetallen sind dies auch andere chemische Stoffe wie Lösungsmittel, Umweltgifte, Bestandteile von Impfstoffen, Medikamenten, dentalen Werkstoffen oder Endprodukten des eigenen Stoffwechsels, im Volksmund als „Verschlackungen“ bekannt sind. Ein wesentliches gemeinsames Merkmal dieser Stoffe ist, daß ihre Ablagerung im Extrazellulärraum durch Initiation des Immunsystems auf molekularer Ebene Entzündungsreaktionen einleiten, die das System der Grundregulation der extrazellulären Matrix (Biologische Medizin) beeinträchtigen.

Reckeweg

Der Grad der Schädlichkeit der Toxine auf die extrazelluläre Matrix ist in Abhängigkeit von der Reagibilität des Organismus und seiner Regulationsfähigkeit einerseits dann bestimmt durch Art und Struktur des Toxins, seine Einwirkdauer und Einwirkungsstärke. Therapeutische Interventionen der Homotoxikologie sollen den Organismus in seiner Abwehrfähigkeit unterstützen, was in erster Linie über die Anregung physiologischer Ausscheidungsvorgänge und Reduktion der Entzündungsprozesse induziert wird.

Für die Stimulation des Organismus werden hierzu potenzierte Giftstoffe, Allopathika, Organtherapeutika, intermediäre Katalysatoren, Stoffwechselprodukte, Nukleinsäuren, Enzyme und Botenstoffe, sogenannte Nosoden sowie homöopathische oder spagyrische Einzel-, Komplex- und Kombinationsmittel verwendet.

Entwickelt wurde die Theorie der Homotoxinlehre von Heinrich Reckeweg. Er erkannte, daß ein biologischer Organismus über nur drei pathophysiologische Mechanismen im Umgang mit Toxinen verfügt, nämlich: Ausscheidung oder Ablagerung oder Degeneration mit jeweils zwei möglichen Reaktionsphasen und entwickelte daraus sein Sechs-Phasen-Modell der Homotoxinlehre:

Homotox

Schon auf den ersten Blick kann erahnt werde, wie hilfreich dieses Modell für die Behandlung chronischer Erkrankungen ist, denn es erlaubt

• eine Einordnung des Krankheits-Stadiums zu Therapiebeginn
• einen Einblick über die mögliche Weiterentwicklung der Erkrankung ohne Therapie
• dadurch wirkungsvolle Präventivmedizin
• eine Beziehung einzelner Symptome und Erkrankungen zueinander zu entdecken
• einen Überblick über zu erwartende Reaktionen bei erfolgreichem Therapieverlauf
• eine Einschätzung der Behandlungsdauer
• eine prognostische Aussage

Die logische Entwicklung von Symptomen im Krankheitsverlauf oder deren Rückentwicklung bezeichnet Reckeweg als progressive bzw. regressive Vikariation und ist im Grunde ein anderer Ausdruck der in der Komplementärmedizin bekannten Hering´schen Regel über Merkmale erfolgreicher Therapie, wobei Besserung, Linderung und Heilung

  • von lebenswichtigen Organen zu weniger wichtigen Körperteilen
  • von Innen nach Aussen
  • von Oben nach Unten
  • chronologisch rückläufig, d.h. in umgekehrter Reihenfolge des Auftretens

verlaufen. Im Sechs-Phasen-Modell Reckewegs werden humoralpathologische Konzepte, das Konzept der extrazellulären Matrix biologischer Medizin und Zellpathologie therapeutisch wirkungsvoll miteinander verknüpft. Je weiter die Entwicklung der chronischen Erkrankung in Richtung zelluläre Veränderung fortschreitet, desto schwieriger ist die therapeutische Prognose einzustufen, was durch den „Biologischen Schnitt“ innerhalb der beiden Matrixphasen versinnbildlicht wird und die zentrale Stellung der extrazellulären Matrix innerhalb biologischer und komplementärer Therapie nochmals unterstreicht.